Zweifel an Gorleben gewachsen: CDU-Zeuge hält Salzstock für ungeeignet

Pressemitteilung

Zur Vernehmung des Zeugen Dr. Ulrich Kleemann im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss Gorleben erklärt Sylvia Kotting-Uhl, Obfrau im Untersuchungsausschuss und Sprecherin für Atompolitik:

Die wissenschaftlichen Zweifel an der Eignung des Salzstocks Gorleben als Atommüll-Endlager sind heute deutlich gewachsen. Dr. Kleemann, der von Schwarz-Gelb als Zeuge benannt worden war, hat erhebliche Sicherheitsrisiken überzeugend dargestellt. Es ist außerdem deutlich geworden, dass der Rahmenbetriebsplan von 1982, nach dem Umweltminister Röttgen ab 1. Oktober weiter erkunden will, mit den heutigen Erkundungsbereichen in Gorleben nichts mehr zu tun hat.

Für die Einlagerung hochradioaktiven Mülls in Gorleben bestehen unkalkulierbare Risiken, die nach den wissenschaftlichen Erläuterungen von Dr. Kleemann noch deutlicher geworden sind. Sie entstehen durch mögliche Wassereintritte wegen fehlender Barrieren im Deckgebirge, durch eine nahezu unerforschte tektonische Störungslinie entlang der Elbe und durch die ebenfalls nicht erforschte Erdgasblase unter dem Salzstock. Kleemann unterstrich, diese Probleme müsse man sehr ernst nehmen. Er persönlich halte den Standort aufgrund dieser Risiken für “nicht geeignet.”

Durch Dr. Kleemanns Ausführungen sind entscheidende Veränderungen der Erkundungsbereiche gegenüber dem Rahmenbetriebsplan von 1982 deutlich geworden: In den 1990er Jahren wurden die Bereiche wegen fehlender Salzrechte und weil sich ein Teil des zur Einlagerung vorgesehenen Steinsalzes als geologisch ungeeignet herausstellte, nicht nur in die entgegengesetzte Richtung verlagert, sondern auch erheblich verkleinert. Kleemann unterstrich in diesem Zusammenhang, dass man aus wissenschaftlicher Sicht den gesamten Salzstock erkunden müsse, um eine Aussage über dessen Eignung treffen zu können. Allerdings ist eine weitere Erkundung in nördlicher Richtung nicht mit dem vorgeschriebenen Abstand zu geologisch riskanten Formationen möglich. In südlicher Richtung verhindern fehlende Salzrechte die weitere Erkundung.

Dr. Kleemann hat zudem unsere Auffassung bestätigt, dass für die Suche nach einem Atommüll-Endlager ein ergebnisoffener Vergleich mehrerer Standorte nach ausschließlich streng wissenschaftlichen Kriterien und mit einer echten Bürgerbeteiligung notwendig ist. Insgesamt hat die heutige Zeugenvernehmung echte Erkenntnisfortschritte gebracht.

Zur Person: Der Geologe Dr. Ulrich Kleemann war von 2005 bis Frühjahr 2010 beim Bundesamt für Strahlenschutz als Fachbereichsleiter für die Endlagersuche zuständig. Ab 2006 leitete er die Expertengruppe Schweizer Tiefenlager, von 2009 bis 2010 war er technischer Geschäftsführer der Asse.

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